Betreuungskonzept

Gemäß des Leitbildes der ambulanten Kranken- und Altenpflege Stern, bei der der einzelne Mensch in seiner Individualität im Fokus unseres Handelns steht, orientiert sich die Beschäftigung und Betreuung an den Ressourcen des jeweiligen Menschen. Dabei ist es wichtig an lebensgeschichtlich geprägte Aufgaben und Aktivitäten anzuknüpfen.

Die Art der Betreuungsaufgaben wird daher in Absprache mit den Klienten, Angehörigen und Betreuern festgelegt. Unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Interessen, Ressourcen und biographischen Hintergründe wird ein individuelles Betreuungsangebot zugeschnitten. Zudem können wir unseren Klienten Mitarbeiter/innen zur Verfügung stellen, die die jeweilige Muttersprache des Klienten beherrschen, ein wesentliches Kriterium bei Menschen, die aufgrund einer dementiellen Erkrankung häufig zu dem, in der Kindheit erlerntem Wissen, zurückgreifen und darüber Bestätigung erfahren.

Die hier aufgeführten Beispiele sollen einen Eindruck vermitteln, wie vielfältig Betreuung sein kann.

Singen

Gemeinsames Singen, Musizieren oder Hören bekannter Lieder weckt Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend, an bestimmte Ereignisse, Emotionen und kultureller Zugehörigkeit. Es hilft Menschen, eigene Gefühle ohne Worte auszudrücken. Musik und Rhythmus wirken außerdem motivierend und ermuntern aktiv zu werden.

Bewegung

Da pflegebedürftige Menschen zu sozialem Rückzug und zur körperlichen Versteifung neigen, sind körperliche Aktivitäten wie Bewegungsspiele, sowie eine kontinuierliche und konsequente Anleitung zur Mobilität, für sie besonders wichtig. Dabei hilft Bewegung nicht nur, mobil zu bleiben und Energien zu lenken. Da Wahrnehmung und Bewegung voneinander abhängig sind, fördert Bewegung die Wahrnehmung sowie den Kontakt zur Umwelt und vermindert damit Anspannung, Angst und Aggression.

Malen und handwerkliche Aktivitäten

Malen als eine nonverbale Ausdrucksform ermöglicht Menschen, denen die verbale Kommunikation schwer fällt, die direkte Äußerung von Gefühlen und momentanen Befindlichkeiten.
Jahreszeitlich orientierte, handwerkliche Betätigungen unterstützen die zeitliche Orientierung und wecken Erinnerungen. Das Hantieren mit unterschiedlichen Materialien regt die Sinne an, fördert die Feinmotorik und ein vorzeigbares Ergebnis des eigenen Handelns erfüllt den Menschen zudem mit Stolz.

Lesen

Vorlesen oder gemeinsames Lesen bekannter Geschichten, Gedichte oder Sprichwörter weckt Erinnerungen und erhält damit das Wissen um die eigene Persönlichkeit. Vorhandenes Können wird aktiviert und gefestigt. Durch das Lesen der Tagespresse kann der Mensch in das aktuelle Zeitgeschehen involviert bleiben. Dies beugt Ausgrenzung aus der Gesellschaft vor. Die jüngere Generation kann von dem politischen Wissen der älteren Generation lernen. Wissen weiter zu geben erhöht das Selbstwertgefühl, gerade wenn dieses unter dem ständigen Abbauprozess der Kognition leidet.

Kochen/Backen

Sowohl nonverbale als auch verbale Kommunikationsstrukturen können beim Kochen/Backen gefördert werden. Kochen/Backen eignet sich besonders für Biographiearbeit und Gedächtnistraining. Das Verkosten am Ende belebt alle Sinne.

Tanzen

Hier lassen sich viele Elemente gut vereinen. Rhythmische Bewegung, musikalische Erinnerungen und haptische Erfahrungen sind nur einige Aspekte, die sich im Tanzen wirksam verknüpfen.
Im Vordergrund der verschiedenen Beschäftigungsangebote des Pflegedienstes stehen dabei nicht die Ergebnisse, sondern der Prozess der Beschäftigung und das Erleben während der gemeinsamen Aktivität.

Die Aktivitäten finden in der Regel im häuslichen Umfeld des/ der Klient/en/in statt. Klienten die ihre Wohnung verlassen können bieten wir ebenfalls Begleitung zu Aktivitäten (zB. Kirche, Konzert-, Theater- oder Kinobesuche) an, sowie Begleitung bei Spaziergängen oder zu Besuchen von Angehörigen oder Freunden.

Gerne unterstützen wir auch die Haltung von Haustieren und übernehmen, im Rahmen der Betreuung, die Haustierpflege. Da wir von dem positiven Einfluss auf Gesundheit und Psyche dementiell Erkrankter durch Tiere überzeugt sind. Dem Pflegedienst steht zudem ein speziell ausgebildeter Begleithund zur Verfügung, der auf Wunsch der Klienten, von den Mitarbeiterinnen, zur Betreuungsstunde mitgebracht werden kann.

Überschneidungen mit / Abgrenzung von anderen Leistungen

Werden im Laufe der stundenweisen Betreuung andere Leistungen erwünscht bzw. notwendig (z.B. Hilfe beim Toilettengang, Zubereitung einer Mahlzeit, etc.), werden diese Leistungen entsprechend dem Leistungskomplexsystem für Hessen abgerechnet. Die im Rahmen dieses Angebots erbrachten Leistungen bestehen ausschließlich aus zusätzlichen Betreuungsleistungen im Sinne des Gesetzes (§ 45b Abs. 1 Satz 3 Nr. 3 SGBXI), also besondere Angebote der allgemeinen Anleitung und Betreuung und nicht um Leistungen der Grundpflege oder hauswirtschaftlichen Versorgung.

Qualitätssicherung

Um unseren Anspruch und unsere gesetzlichen Vorgaben und den Rahmenbedingung gerecht zu werden, ist die Qualitätssicherung im Rahmen des gesamten Qualitätsmanagements notwendig.
Durch entsprechende Maßnahmen wird die Qualität der Leistungen gesichert. Hieraus ergibt sich ein Grundgerüst für die Leistungserbringung analog der übrigen Pflegeversicherungsleistungen.

Es erfolgt eine Kurzanamnese und eine Festlegung der gewünschten Maßnahmen und Leistungen unter Einbeziehung der Fähigkeiten und Ressourcen der Klienten inklusive eines Notfallplanes.
Die Leistung wird dokumentiert und durch einen Leistungsnachweis belegt. Das Ergebnis und die Zufriedenheit des Klienten werden ebenfalls festgehalten. Die Dokumentation der zusätzlichen Betreuungsleistungen erfolgt in der Pflegedokumentation. Sie ist darin fester Bestandteil.
Regelmäßige Mitarbeiter- und Teamgespräche dienen der Weiterentwicklung des Angebotes, der Mitarbeiter, der Leistungsüberprüfung und gegebenenfalls der Leistungsanpassung.

Qualifikation der Pflegekräfte

Alle unsere in der Betreuung eingesetzten Mitarbeiter werden auch speziell im Umgang mit demenzkranken Menschen und zum Krankheitsbild Demenz geschult.

Die Schulungen umfassen u.a. die Themen:

Das Krankheitsbild Demenz und einhergehende Veränderungen
Therapeutische Konzepte in der Pflege demenzkranker Menschen
Erwerb von Handlungskompetenz im Umgang mit demenzkranken und psychisch-/ kognitiv veränderten Menschen, angemessene Aktivierungs-/ Beschäftigungsangebote
Rechtliche Aspekte (z.B. Haftung, Freiheitseinschränkende Maßnahmen)
Beratung Angehöriger von dementiell erkrankten Menschen
Alle Mitarbeiter, die zur stundenweisen Entlastung von pflegenden Angehörigen eingesetzt werden, erhalten die Möglichkeit, im Rahmen von Team- und Fallbesprechungen ihre Erfahrungen und Probleme in der Arbeit, auch und im Besonderen, mit Demenzkranken, aufzuarbeiten.

Die internen Schulungen werden durch unsere Pflegedienstleitung Frau Christine Kornecki gesichert. Sowie durch externe Schulungen und Arbeitshilfen in Form von Büchern, Broschüren, Protokollen der Schulungen und Hinweisen auf Internetseiten, in verschiedenen Sprachen, die von den Mitarbeiter/n/innen, im Büro des Pflegedienstes genutzt werden und natürlich auch Angehörigen und den Betroffenen selbst zur Verfügung stehen.